Von wegen »Wohlstand erhalten« und »Arbeitsplätze sichern« – bei den Reformvorschlägen von CDU-Wirtschaftsrat und Co. geht es in Wirklichkeit darum, errungenen Wohlstand von den Lohnabhängigen abzuziehen, um die Macht der Bosse am Arbeitsplatz zu steigern.
Artikel vom 23. Februar 2026: https://jacobin.de/artikel/arbeitszeit-cdu-merz-wirtschaftsrat-zwang-wohlstand-krankengeld
Seit 2011 veröffentlicht JACOBIN täglich Kommentare und Analysen zu Politik und Gesellschaft, seit 2020 auch in deutscher Sprache. Die besten Beiträge gibt es als Audioformat zum Nachhören.
Nur dank der Unterstützung von Magazin-Abonnentinnen und Abonnenten können wir unsere Arbeit machen, mehr Menschen erreichen und kostenlose Audio-Inhalte wie diesen produzieren. Und wenn Du schon ein Abo hast und mehr tun möchtest, kannst Du gerne auch etwas regelmäßig an uns spenden via http://www.jacobin.de/podcast.
Zu unseren anderen Kanälen:
Instagram: http://www.instagram.com/jacobinmagde
X: http://www.twitter.com/jacobinmagde
YouTube: http://www.youtube.com/c/JacobinMagazin
Webseite: http://www.jacobin.de
{
„start“: 0.06,
„end“: 2.62,
„text“: „Eine Arbeitnehmeragenda aus Arbeitgeberträumen.“
},
{
„start“: 4.8,
„end“: 11.04,
„text“: „Von wegen Wohlstand erhalten und Arbeitsplätze sichern, bei den Reformvorschlägen von CDU, Wirtschaftsrat &“
},
{
„start“: 11.22,
„end“: 11.32,
„text“: „Co.,“
},
{
„start“: 11.88,
„end“: 18.92,
„text“: „geht es in Wirklichkeit darum, errungenen Wohlstand von den Lohnabhängigen abzuziehen um die Macht der Bosse am Arbeitsplatz zu steigern.“
},
{
„start“: 18.94,
„end“: 29.34,
„text“: „– von Til Hahn Mit der Vorhersehbarkeit einer goldenen Rolex scheinen Arbeitgeberverbände und Christdemokraten jedes Jahr die gleiche Debatte vom Zaun zu brechen!“
},
{
„start“: 30.12,
„end“: 37.7,
„text“: „Unser Die Verantwortlichen dafür sind schnell ausgemacht.“
},
{
„start“: 38.32,
„end“: 46.7,
„text“: „Arbeiter, die sich in Lifestyle-Teilzeit oder gleich im bezahlten Krankenstand ein schönes Leben machen während ihr Boss sich kaum noch besagte Rolex leisten kann.“
},
{
„start“: 47.7,
„end“: 52.88,
„text“: „Allein zweiundachzig Milliarden Euro Krankengeld mussten Arbeitgeber zweitausend vierundzwanzig bezahlen.“
},
{
„start“: 53.4,
„end“: 57.98,
„text“: „und das obwohl – man stelle sich das mal vor – krankgeschriebene Arbeiter gar nicht arbeiten!“
},
{
„start“: 58.8,
„end“: 62.9,
„text“: „Doch auch die gesunden Arbeiter scheinen ihre gottgegebenen Pflichten zu vernachlässigen.“
},
{
„start“: 63.44,
„end“: 74.58,
„text“: „Nur noch sechsunddreißig Stunden pro Woche wird in Deutschland durchschnittlich gearbeitet und von den Faulenzern, die schon im Jugendlichen Alter von dreiundsechzig in Rente gehen wollen haben wir da noch gar nicht angefangen.“
},
{
„start“: 75.38,
„end“: 85.28,
„text“: „Christdemokraten- und Arbeitgeberverbände laufen also Sturm gegen dieses System das Arbeitnehmern eine basale Absicherung im Krankheitsfall und bedingte Mitbestimmungsrechte einräumt.“
},
{
„start“: 86.14,
„end“: 91.44,
„text“: „Eine ganze Kaskade von Arbeitnehmerfeindlichen Forderungen war in den letzten Monaten aus ihren Reihen zu hören.“
},
{
„start“: 92.02,
„end“: 109.44,
„text“: „Eine Einschränkung des Rechts auf Teilzeit, die Streichung von Zahnbehandlungen aus den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen, Einschrankungen der Lohnvorzahlung im Krankheitsfall oder Verschlechterungen des Kündigungsschutzes sowie die Streichen von Unfällen auf dem Arbeitsweg aus der Unfallversicherung sind bereits verlangt worden.“
},
{
„start“: 110.36,
„end“: 117.96,
„text“: „Zudem soll das Renteneintrittsalter erhöht und früh Verrentung mit dreiundsechzig erschwert, und mit erheblichen wirtschaftlichen Nachteilen verbunden werden.“
},
{
„start“: 118.9,
„end“: 121.92,
„text“: „All das im Interesse unseres Achsofragilen Wohlstandes.“
},
{
„start“: 122.8,
„end“: 130.28,
„text“: „An dessen Erhalt – so das Argument – seien schließlich auch die Arbeitnehmer interessiert geht es doch auch um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.“
},
{
„start“: 131.18,
„end“: 137.66,
„text“: „Wer auch nur über etwas Sinn für Heuchelei verfügt spürt direkt dass in Wirklichkeit um die Verteidigung von etwas anderem geht.“
},
{
„start“: 139.44,
„end“: 140.84,
„text“: „Für die Arbeitnehmer ja genau.“
},
{
„start“: 142.98,
„end“: 152.16,
„text“: „Nun ist Scheinheiligkeit im bürgerlichen Lager traditionell eine sehr konkurrenzträchtige Disziplin, doch Spitzenreiter ist hier wohl der Wirtschaftsrat – der CDU.“
},
{
„start“: 153.28,
„end“: 159.7,
„text“: „Dieser hatte ein ganzes Bündel solcher Maßnahmen gefordert und diese ausgerechnet eine Agenda für Arbeitnehmer genannt.“
},
{
„start“: 160.76,
„end“: 161.1,
„text“: „Nun gut!“
},
{
„start“: 161.68,
„end“: 165.16,
„text“: „Im weitesten Sinne ist eine Schlachtbank ja auch eine Gerätschaft für Schweine.“
},
{
„start“: 166.02,
„end“: 172.1,
„text“: „Die Christdemokraten wolle man mit dieser jedenfalls wieder zu einer Partei der Arbeitnehmenden machen, heißt es in der Präambel.“
},
{
„start“: 172.9,
„end“: 176.52,
„text“: „Wir wollen die Grundidee der sozialen Marktwirtschaft zur Renaissance verhelfen.“
},
{
„start“: 177.18,
„end“: 182.08,
„text“: „Wenn du fleißig bist und dich anstrengst kannst Du mit deiner Familie einen kleinen Wohlstand schaffen.“
},
{
„start“: 183.24,
„end“: 190.88,
„text“: „Arbeitsplatz freundliches Steuerrecht soll eingeführt werden um das Aufstiegsversprechen von Maurern Dachdeckern und Fliesenlegern wiederzubeleben.“
},
{
„start“: 191.86,
„end“: 195.86,
„text“: „Gekürzt werden soll daher vor allem am Sozialstaat und den Arbeitnehmerrechten.“
},
{
„start“: 196.54,
„end“: 202.92,
„text“: „Arbeitslosengeld soll nur noch höchstens zwölf Monate ausgezahlt, Mütterrente und Rente mit dreiundsechzig gestrichen werden.“
},
{
„start“: 203.6,
„end“: 213.86,
„text“: „Dass dies ausgerechnet im Namen der Dachdecker passieren soll – die dann mit fünfundsechszig ungeachtet ihres Gesundheitszustandes immer noch auf Dächer steigen müssten ist besonders unappetitlich.“
},
{
„start“: 214.78,
„end“: 219.34,
„text“: „Doch die Forderungen sind nicht nur moralisch verwerflich sondern auch ökonomisch unsinnig!“
},
{
„start“: 220.04,
„end“: 231.14,
„text“: „Nicht nur, dass die Steuergeschenke, die sich in diesem Papier finden größtenteils multi-Millionären und Milliardären zugutekommen würden unter denen sich wohl kaum ein Maurer Dachdecker oder Fliesenleger finden wird.“
},
{
„start“: 232.24,
„end“: 239.92,
„text“: „Auch die Maßnahmen ,die sich gegen den angeblich zu teuren Sozialstaat richten würde ihr angebliches Ziel Die Schaffung von Arbeitsplätzen verfehlen.“
},
{
„start“: 240.58,
„end“: 252.38,
„text“: „Da die meisten Konsumenten in diesem Land zugleich abhängig Beschäftigte sind, würde sich die erhebliche Verschlechterung ihrer ökonomischen Lage und ihrer sozialen Sicherheit verheerend auf die ohnehin schon schwache Binnennachfrage auswirken.“
},
{
„start“: 253.2,
„end“: 265.2,
„text“: „Geld das ansonsten in Konsum gesteckt werden könnte, würde fortan in private Rücklagen fließen um sich im Zweifel eine private Zahnbehandlung leisten zu können wenn überhaupt noch genug Geld da ist um etwas zurückzulegen.“
},
{
„start“: 265.78,
„end“: 274.54,
„text“: „doch auch die Zahlen mit denen hier jongliert wird sind irreführend etwa die zweiundachtzig Milliarden Euro an Krankengeld, die zweitausendvierundzwanzig ausgezahlt wurden.“
},
{
„start“: 275.36,
„end“: 282.1,
„text“: „Für sich genommen hört sich diese Zahl alarmierend an was sich CDU-Politiker und rechte Journalisten immer wieder zu Nutze machen.“
},
{
„start“: 282.94,
„end“: 292.44,
„text“: „doch betrachtet man sie im Kontext wird schnell klar es handelt sich dabei um nicht einmal drei Prozent der im selben Jahr gezahlten Löhne und Sozialabgaben der Arbeitgeber.“
},
{
„start“: 293.3,
„end“: 305.76,
„text“: „Auch Ihr Anstieg über die Jahre ist keinesfalls Ergebnis eines plötzlichen Einbruchs der bundesdeutschen Arbeitsmoral, sondern Ergebnis einer gestiegenen Gesamtbeschäftigung sowie inflationsbedingten Anpassungen bei Löhnen und Sozialabgaben.“
},
{
„start“: 306.48,
„end“: 310.8,
„text“: „Ebenso verhält es sich mit der durchschnittlichen Arbeitszeit von sixunddreißig Stunden pro Woche.“
},
{
„start“: 311.68,
„end“: 317.54,
„text“: „Hier müssen keinesfalts Fließbänder angehalten werden weil Arbeiter ihre Liebe zum lockeren Lifestyle entdeckt haben.“
},
{
„start“: 318.08,
„end“: 327.88,
„text“: „Im Gegenteil Bereits in den Jahren ist das DIW eine Studie vorgelegt, die zeigt, dass die in Deutschland geleistete Gesamtarbeitszeit auf einem historischen Hoch ist.“
},
{
„start“: 328.7,
„end“: 336.7,
„text“: „Die Senkung der durchschnittlichen Arbeitszeit rührt vielmehr daher, dass vermehrt Menschen in Teilzeitarbeiten, die zuvor gar nicht Lohn gearbeitet haben.“
},
{
„start“: 337.62,
„end“: 337.96,
„text“: „Das sind v.a.“
},
{
„start“: 338.32,
„end“: 343.62,
„text“: „Frauen, die neben der Lohnarbeit noch Sorgearbeit für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige leisten.“
},
{
„start“: 344.26,
„end“: 348.08,
„text“: „Diese Doppelbelastung würde durch das geforderte Paket noch einmal verschärft werden.“
},
{
„start“: 348.76,
„end“: 356.6,
„text“: „Die Kürzungen oder gar Streichungen bei Sozialstaat- und Arbeitnehmerrechten sind also wieder einmal die falsche Antwort auf ein nicht existierendes Problem.“
},
{
„start“: 357.3,
„end“: 363.24,
„text“: „Der Autor Ole Nymoen verglich diese Taktik daher mit der der US rechten, flooding the zone with shit!“
},
{
„start“: 364.12,
„end“: 370.8,
„text“: „Der Diskursraum wird so lange mit unsinnigen Forderungen geflutet bis die Gegenseite nur noch in einem Rückzugsgefecht gefangen ist.“
},
{
„start“: 371.86,
„end“: 379.8,
„text“: „Wir sollen so lange damit beschäftigt werden, jahrelang erkämpfte Errungenschaften zu verteidigen, dass wir gar nicht auf die Idee kommen eigene Forderungen zu stellen.“
},
{
„start“: 380.4,
„end“: 386.12,
„text“: „Etwa nach sichereren Arbeitsplätzen, faireren Löhnen oder ja auch familiengerechteren Arbeitszeiten.“
},
{
„start“: 387.74,
„end“: 389.12,
„text“: „Stummerzwang mit vielen Worten!“
},
{
„start“: 391.08,
„end“: 396.44,
„text“: „Die Forderung des Arbeitgeberflügels der Union sind aber keineswegs bloß ein rhetorisches Ablenkungsmanöver.“
},
{
„start“: 397.12,
„end“: 404.38,
„text“: „was mit dem erklärten Ziel der Sicherung von Arbeitsplätzen eigentlich gemeint ist ist die Sicherung der Kontrollgewalt über Arbeitskraft.“
},
{
„start“: 405.26,
„end“: 411.4,
„text“: „Denn die formale Freiheit, die die liberale Ordnung dem Arbeiter zugesteht stellt den Kapitalisten vor ein Dilemma.“
},
{
„start“: 412.36,
„end“: 423.44,
„text“: „Anders als noch in der Sklaverei oder Leipeigenschaft kann er den Arbeiter nicht mit Gewalt zur Arbeit zwingen – das muss der von Karl Marx so bezeichnete Stummezwang der ökonomischen Verhältnisse leisten!“
},
{
„start“: 424.26,
„end“: 436.04,
„text“: „Wer kein ausreichendes Vermögen hat Um vom Arbeitszwang auch wirklich frei zu sein, muss sich eben doch in abhängige Beschäftigung begeben und zwar umso mehr je leidvoller ein Leben ohne Arbeitseinkommen ist.“
},
{
„start“: 436.86,
„end“: 444.34,
„text“: „Das heißt, je desolater die wirtschaftliche Lage der Lohnabhängigen ist, desto wahrscheinlicher gehen sie einen für sie nachteilhaften Deal ein.“
},
{
„start“: 445.18,
„end“: 453.62,
„text“: „Formal gesehen bleibt diese Entscheidung dennoch frei – gezwungen hat sie nicht der Kapitalist, der davon profitiert sondern ihre objektive ökonomische“
},
{
„start“: 453.7,
„end“: 454.3,
„text“: „Situation.“.“
},
{
„start“: 454.98,
„end“: 461.86,
„text“: „Es geht also in all diesen Forderungen gar nicht darum für die Arbeitenden einen Wohlstand zu schaffen, wie klein der auch immer sein mag.“
},
{
„start“: 462.42,
„end“: 471.28,
„text“: „Im Gegenteil – es geht gerade darum denselben von Arbeitnehmenden abzuziehen um ihren Verhandlungsstandpunkt gegenüber dem Kapital so schwach wie möglich zu machen!“
},
{
„start“: 472.34,
„end“: 484.58,
„text“: „Es geht darum die Herrschaft des Kapitals aufrechtzuerhalten Die Menschen auch gegen ihr besseres Wissen und Interesse dazu zwingt an der Erhaltung eines Systems mitzuarbeiten dass letztlich ihre Armut und ihr Elend fordert.“
},
{
„start“: 485.54,
„end“: 492.82,
„text“: „Es geht darum, den stummen Zwang der ökonomischen Verhältnisse mit eindringlichen Worten- und politischen Maßnahmen zu verhärten.“
}
]
